hamburg.house
About
Eine Nachricht an alle House Kids
In Hamburg geht was! Und zwar immer mehr. Warum ich das denke und wieso das nicht immer so war lest ihr am besten in meinem Interview auf dieser Seite. Aber wichtig ist: mit hamburg.house möchte ich eine Basis aufschlagen, die Künstler, Szene, Events und vor allen Dingen gute Tracks miteinander vereint.
Für Hamburg. Für euch.
Jannis Schrader
Initiator & DJ

„Am Ende geht es immer um die Musik“
Ein Gespräch mit Jannis Schrader – Kurator von hamburg.house
Jannis, warum gibt es hamburg.house?
Weil in Hamburg gerade etwas passiert.
Ich will nicht behaupten, dass früher nichts los war. Ganz im Gegenteil. Aber in den letzten Jahren habe ich das Gefühl, dass sich die Szene verändert. Es entstehen neue Formate, neue Veranstaltungsorte und neue Communities. Plötzlich kann man an einem Wochenende mehr erleben als noch vor ein paar Jahren.
Natürlich gibt es auf hamburg.house einen Veranstaltungskalender und Playlists. Aber eigentlich geht es um etwas anderes: um die Menschen, die diese Musik lieben. Ich möchte eine Plattform schaffen, auf der man sich orientieren, inspirieren lassen und vielleicht auch das nächste besondere Event entdecken kann.
Ich sehe mich dabei weniger als Kritiker und mehr als Kurator.
Woher kommt deine Leidenschaft für elektronische Musik?
Ich bin Hot Since 1980. Das ist nicht nur eine schöne Anspielung auf einen großartigen DJ, sondern beschreibt auch ziemlich gut, wie lange mich elektronische Musik schon begleitet.
Aufgewachsen bin ich mit Mayday, Love Parade und der Reincarnation Parade in Hamburg. Westbam, Dr. Motte, Marusha – das waren Namen, die meine Jugend geprägt haben.
Mit 18 habe ich angefangen aufzulegen. Natürlich auf Vinyl. Damals brauchte man noch keinen Sync-Button, sondern vor allem Geduld, ein gutes Gehör und eine Menge Leidenschaft.
Ich komme ursprünglich aus Oldenburg und habe dort zusammen mit einem Freund an den Wochenenden als Resident DJ gespielt. Später waren wir in ganz Norddeutschland unterwegs. Und sobald wir alt genug waren, ging es jedes Jahr mindestens einmal nach Ibiza.
Was hat Ibiza für dich bedeutet?
Freiheit.
Ich erinnere mich an einen Rückflug, der mehrere Stunden Verspätung hatte. Also haben wir das Taxi genommen und sind einfach wieder ins Bora Bora gefahren.
FOMO gab es damals auch schon. Es hieß nur noch nicht so.
Das legendäre Space war damals noch das Space und nicht das Hï. Meine ersten Slipmats kamen von dort. Wer das nicht mehr kennt: diese runden Filzauflagen auf den Plattenspielern, damit die Platten sauber laufen.
Ich habe Freunde erlebt, die nach Ibiza ausgewandert sind. Ich selbst habe auch kurz darüber nachgedacht. Aber am Ende habe ich es nie durchgezogen, den berühmten Container zu packen und einfach loszufahren. Heute bin ich da froh drüber, ich lebe mit der tollsten Familie in der tollsten Stadt.
Du hast später in England studiert. Hat dich das musikalisch beeinflusst?
Extrem.
An der englischen Südküste habe ich eine völlig andere Musikkultur kennengelernt.
Die Briten machen unglaublich viel live.
Ich erinnere mich an einen Abend in London: Ich lege auf, plötzlich kommt ein riesiger Typ mit noch größeren Kopfhörern auf mich zu, steckt ein Mikrofon ein und rappt spontan über die Tracks. Und das auf einem Niveau, das mich komplett umgehauen hat.
Oder Russell. Ein fantastischer Gitarrist, der über Disco- und Tech-House-Tracks Soli gespielt hat.
Parallel dazu habe ich auf Nerve FM eine Radioshow moderiert. Dort war ich als „The German“ bekannt. Jede Woche habe ich eine Stunde selbst gespielt und anschließend einen Gast-DJ vorgestellt.
Langweilig wurde es nie.
Was fasziniert dich bis heute an elektronischer Musik?
Eigentlich alles.
Vor allem die Vielfalt.
Je nach Wetter, Tageszeit oder Stimmung höre ich etwas anderes. Genau das macht diese Musik so besonders.
Und sie verbindet Menschen.
Egal ob in Hamburg, London, Ibiza oder irgendwo auf der anderen Seite der Welt: Du steigst aus dem Flugzeug, hörst irgendwo einen Beat und fühlst dich sofort ein kleines Stück zuhause.
Ich habe in all den Jahren nur sehr selten erlebt, dass es aggressiv oder unangenehm wurde. Die meisten Menschen eint derselbe Gedanke:
Sie wollen die Musik und das Gefühl dahinter genießen.
Was macht für dich ein gutes Event aus?
Natürlich spielen Musik, Menschen und Location eine große Rolle.
Aber oft ist es die Haltung.
Ich erinnere mich an einen Abend in England. Kein Superstar-DJ. Keine riesige Produktion. Einfach ein normaler Clubabend.
Und trotzdem ist der Dancefloor komplett eskaliert.
Als ich die Leute gefragt habe, warum sie so feiern, bekam ich immer dieselbe Antwort:
„Wir haben Eintritt bezahlt. Natürlich tanzen wir jetzt. Wir sind doch wegen der Musik hier.“
Diesen Satz habe ich nie vergessen.
Manchmal sind Leidenschaft und Hingabe wichtiger als die teuerste Technik.
Wo entwickelt sich die Szene aktuell hin?
Ich sehe zwei große Trends.
Der erste ist Day Clubbing.
Immer mehr Veranstaltungen finden tagsüber statt. Das macht House Music für viel mehr Menschen zugänglich.
Ich bin selbst Vater und finde es großartig, wenn man von 14 bis 20 Uhr tanzen gehen kann und anschließend trotzdem zuhause ist.
Warum sollte man sich zwischen Familie und House Music entscheiden müssen?
Der zweite Trend betrifft die Locations.
Restaurants, Dachterrassen, Cafés oder temporäre Pop-up-Flächen werden immer häufiger zu Veranstaltungsorten. Dadurch entstehen ganz neue Formate und eine enorme Vielfalt.
Das macht die Szene lebendiger.
Was wünschst du dir für hamburg.house?
Eigentlich etwas ganz Einfaches.
Dass Menschen hier neue Musik entdecken.
Neue Events finden.
Neue Künstler kennenlernen.
Und vielleicht das Gefühl bekommen, Teil einer offenen und positiven Community zu sein.
Hamburg hat unglaublich viel zu bieten.
Und ich glaube, da geht noch einiges.
Hamburg startet gerade richtig durch.